Presse

Logo_Neue_Zuger_Zeitung.svg.png

SNOWBOARD: Martin Lässer ist auch neben dem Brett in Balance

7aaf19a3-0c21-42e3-8f50-2630873911ed

Martin Lässer kommt auf dem Skateboard zum Interviewtermin mit unserer Zeitung angebraust. Die grosse Leidenschaft des Edlibachers gehört aber dem Snowboard. Wie kam er dazu? «Wir haben ein Ferienhaus in Tschiertschen, einem kleinen Dorf im Bündnerland zwischen Arosa und Lenzerheide, wo wir regelmässig die Winterferien verbrachten und zum Skifahren gingen. Eines Tages wollte ich es als kleiner Knirps im Alter von fünf Jahren auch mal auf einem Brett versuchen, denn es hatte viele Boarder auf der Piste. Und ich verliebte mich gleich in das Boarden.»

Der 18-jährige Lässer, der sich zum Zimmermann ausbilden lässt – er ist im dritten Lehrjahr –, wurde mit den Jahren immer versierter und war lange in der Halfpipe anzutreffen. Mittlerweile startet er vorwiegend im Slopestyle, wo es darum geht, einen Hindernisparcours schnellstmöglich zu meistern. Diese Disziplin war 2014 erstmals im Programm der Olympischen Spiele. Vorwiegend trainiert Lässer in Laax. «Dort finde ich ideale Voraussetzungen. Das Gebiet geniesst einen sehr guten Ruf, und der Snowpark gehört weltweit zu den besten Anlagen. Auch aus Übersee kommt die Elite, um hier zu trainieren», schildert Lässer. Zu einem weiteren beliebten Wintersportgebiet gehört das Hand­gruobi in der Mythenregion. Vor der eigentlichen Wintersaison, die für ihn von November bis April dauert, ist er an den Wochenenden in Zermatt oder Saas-Fee auf den Gletschern am Fahren.

Erste Erfahrungen im Elite-Weltcup
Lässer ist Mitglied in den Skiklubs Menzingen und Schwyz. «Die Vereine sind sehr familiär geführt, und ich fühle mich sehr wohl. Das Gesellige kommt hier nicht zu kurz – wenn ein Fest ansteht, helfen alle mit», sagt Lässer. Er gehört dem C-Kader der Schweizer Nationalmannschaft sowie dem A-Kader des Zentralschweizer Schneesportverbandes an. Seine grössten bisherigen Erlebnisse und Erfolge waren einerseits die Teilnahme in der vergangenen Saison an den Junioren-Weltmeisterschaften in den Disziplinen Slopestyle und Big Air (Sprung über eine grosse Schanze) im Südtirol. Andererseits der Start am Slope­style-Weltcup in Tschechien. Lässer war dank guter Leistungen und einiger personeller Engpässe für diesen Wettkampf selektioniert worden, den er auf Rang 22 abschloss. «Ich konnte wertvolle Erfahrungen sammeln. Auch wenn ich keinen Spitzenplatz erreichte, war das Erlebnis für mich das Wichtigste – das zählt für meine weitere Entwicklung.»

Lässer ist sehr ehrgeizig. Auf dem Weg zu seinen sportlichen Zielen benötigt der Hip-Hop-Fan aber mehr Zeit und Geduld. «Da ich eine Berufslehre mache und keine Sportschule besuche, kann ich auch nicht täglich trainieren und auf dem Snowboard stehen. Ich habe aber einen sehr guten Arbeitgeber, der mich bei der Ausübung meines Hobbys sehr unterstützt», erklärt er. Der Edlibacher geht dreimal wöchentlich ins Fitness und fährt einmal in der Woche nach Luzern zum Trampolinspringen. «Das ist gut für meine Beweglichkeit, Sprungkraft, Balance und Körperhaltung – für alles, was ich in meiner Disziplin benötige.» Snowboarden sei ein wichtiger Lebensinhalt, geniesse aber vorerst nicht Priorität: «Ich will einen guten Lehrabschluss als Zimmermann machen und dann die Rekrutenschule besuchen. Anschliessend kann ich mich wieder voll auf das Snowboarden konzentrieren.»

Lässers Hobby ist nicht gerade günstig. Der finanzielle Aufwand liege bei rund 10000 Franken pro Saison für Startgeld, Hotels und Unterkünfte. Der Sportler erhält Förderbeiträge von seinen beiden Skiklubs und vom Kanton Zug sowie vom Garloff-Club, einer Sponsorenvereinigung des Skiclubs Schwyz, der gezielt junge Talente aus allen Sparten fördert. Er wird aber auch vom Elternhaus und vom Lehrbetrieb in Unterägeri un­terstützt, ebenso von einem Snowboard­shop in Zug. «Ohne diese Beiträge könnte ich diesen Sport nicht ausüben», zeigt er sich dankbar. Der Fan der Snowboard-Ikonen Torstein Horgmo (Norwegen) und Darcy Sharpe (Kanada) startet in der laufenden Saison an der Audi Snowboard Series, einer Tour mit mehreren Wettkämpfen in der Schweiz, die am kommenden Wochenende beginnt. Zum Saisonabschluss wartet als Höhepunkt die Schweizer Meisterschaft. «An diesen beiden Veranstaltungen will ich unter die Top 10, das ist machbar», ist Lässer überzeugt. Im Elternhaus sei der Sport oft ein Thema. Der 18-Jährige diskutiere darüber mit den Halbbrüdern Philipp und Fredy sowie seiner Schwester Christina, die beim STV Menzingen turnt.

Auch Verletzungen gehören dazu
Was wünscht sich Lässer für die Zukunft? «Gesund zu bleiben», sagt er sofort und führt aus: «Ich war auch schon verletzt und schätze es, wenn ich auf dem Board stehen und einfach fahren kann. Die Gesundheit steht über dem sportlichen Erfolg. Nach diesen Verletzungen schätzt man es einfach, gesund zu sein. Da zählen Medaillen oder Po­kale nichts dagegen.» Lässer hatte sich in jüngerer Vergangenheit den Mittelfuss­knochen gebrochen und zwei Lendenwirbel angebrochen. Dabei musste er die bittere Erfahrung vieler Sportler machen: «Wenn das Brett während Wochen unbenutzt herumsteht, ist das schon ziemlich frustrierend. Es ist ein Gefühl der Ohnmacht.» Auf eine weitere solche Erfahrung kann er gut verzichten.